Tag-Archiv | Toiletten

Dampf ablassen hilft

Hallo Welt,

langsam habe ich das Gefühl, ich muss für uns Rollifahrer/in um Toiletten kämpfen. Heute jedenfalls kann ich den ersten Erfolg melden. Ich schrieb in meinem Beitrag des Hansekultur-Festivals, dass ich mich fürchterlich darüber geärgert habe, dass für dieses Fest extra Toilettenwagen aufgestellt wurden, allerdings nicht für uns Rollifahrer/in.

Ich schrieb den Veranstalter die LTM (Lübeck und Travemünde Marketing) an und fragte dort mal nach, warum für Rollifahrer keine Toiletten bei Veranstaltungen aufgestellt werden. Auch in Hinsicht auf den Weihnachtsmarkt. Auch wir Rollifahrer möchten gerne das ein oder andere Getränk auf solchen Veranstaltungen trinken. Und jeder weiß, was oben rein kommt, muss zwangsläufig auch unten wieder raus. Der Geschäftsführer der LTM wollte die Problematik mit seinem Team besprechen.

Zwei Tage später erhielt ich dann eine positive Antwort. In Zukunft wird bei Großveranstaltungen (z.B. der Weihnachtsmarkt) auf dem Markt eine mobile, barrierefreie Toilette stehen. Im Weihnachtsfolder und Webseite wird es dann auch mitgeteilt.

Ich bin begeistert. Es hat geklappt. Was ich aber irgendwie nicht verstehe, warum erst jetzt? Ich bin doch nicht die einzige Rollifahrerin hier in Lübeck. Außerdem hat Lübeck eine Behindertenbeauftragte und einen Behindertenrat.

Ich jedenfalls habe was getan – und das sogar mit Erfolg.

Nie wieder ohne

Auf dem Hanse-Kulturfestival war ich „not amused“ über die Toiletten, die wir als Rollifahrer weiter weg vom Festival nutzen konnten. Ich möchte nun nicht näher drauf eingehen, wie die Toiletten aussahen,  sauber war jedenfalls was anderes. Als Zweibeiner hätte ich solch eine Toilette nicht benutzt, aber als Rollifahrer habe ich leider keine große Auswahl an Toiletten. Für mich war klar, „nur“ meine Desinfektionstücher reichen nicht mehr aus. Ich brauche für die Zukunft eine Klo-Notfalltasche.

Gesagt – getan. Ich kaufte mir eine Kosmetiktasche und füllte sie mit einer Rolle Klopapier, Desinfektionsspray und mehrere Einmalhandschuhe. Auch Pflaster, eine kleine Dose Deo fürs eigene Wohlbefinden und was man sonst noch so gebrauchen kann, hat da drin Platz gefunden.

Und so sieht sie aus.

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Ich werde jedenfalls nie wieder ohne meine Klo-Notfalltasche unterwegs sein.

Hansekultur-Festival

In den LN wurde in einem Schnelltest über das Hansekultur-Festival berichtet und es machte mich neugierig. Ich fuhr mit einem befreundeten Rollifahrer zum Festival (beide mit einem elektrischen Rollstuhl (kein Scooter!).

Ich hätte es besser wissen müssen.

Unter der Überschrift „Entspannen und Schlendern“
Zitat der Zeitung: „Lübeck lädt ein, die Seele baumeln zu lassen. „Gemütlich“, „entspannt“, „freundlich“, „bezaubernd“: Es sind durchweg freundliche Worte, mit denen die Festival-Besucher ihre Eindrücke kommentieren.“

Leider hat der Reporter mich nicht gefragt, ich hätte garantiert eine andere Antwort gegeben.

Weiter im Bericht:

Zitat: „Vor allem im oberen Bereich der Beckergrube hätte man sich mehr Getümmel gewünscht.“

Falsch – für uns Rollifahrer war es angenehm dort zu fahren. Im Getümmel hätte uns wieder so mancher Rucksack im Gesicht getroffen.

Weiter stand im Artikel unter der Überschrift „Kinder & Spaß“

Zitat: „Die Kinder werden ernst genommen als vollwertige Festival-Besucher.“

Glückwunsch Kinder! Wie habt ihr das hinbekommen? Wir Rollifahrer werden nicht als vollwertiger Festivalbesucher ernst genommen. Ganz im Gegenteil. Uns gibt es irgendwie gar nicht.

Fangen wir mal mit dem wichtigsten und auch schlimmsten Mängel an. Toiletten für Rollifahrer.

Für das Festival werden sogar noch zusätzliche Toilettenwagen aufgestellt.  Und wo soll ich mit meinem Rolli aufs Klo? Warum sind für uns Rollifahrer keine Toiletten aufgestellt worden?

Lieber Veranstalter! Einmal bei Google in der Suchmaschine „behindertengerechte WC Kabine“ eingeben. Ja, es gibt sie, die Dixiklos für Rollifahrer. Oder sogar noch besser es gibt auch Toilettenwagen für Rollifahrer. Da die Toilettenwagen bewacht wurden, wäre es wohl kein Problem gewesen, so ein behindertengerechtes Dixiklo daneben zu stellen, oder?

Nö, wir behinderte Menschen brauchen ja keine Klos.

Da fällt mir noch ein, dass man das einzige behindertengerechte WC, welches am Markt war, entfernt hat, ohne für einen Ersatz zu sorgen.  Aber ich schweife vom Thema ab …..
Weiter geht´s zum Zeitungsartikel

Überschrift „Essen & Trinken“
Super für Rollifahrer! Teilweise überhaupt kein rankommen an die Stände, da ein Podest vor dem Stand den Zugang unmöglich macht bzw. Stände auf dem Bürgersteig standen und der Kantstein dann das Problem war.

Dann z.B. (von dem Kopfsteinpflaster mal ganz abgesehen) ein für Rollifahrer gigantisch hoher Tresen, der es unmöglich macht, sich dort ein Getränk zu holen. Von der Enge der Zuwegung (Tische und Bänke sehr eng aufgestellt) mal ganz abgesehen. Unser erster und einzige Gedanke war – nur schnell wieder weg.

Am Samstag wollten wir zu einem öffentlichen Konzert von Kammerpop im Hellgrünen Gang.

Zugang von der Untertrave – Fehlanzeige, eine Stufe runter.
Zugang von der Engelswisch – Fehlanzeige, viel zu eng und Stufen
Zugang von der Alsheide – Fehlanzeige da Stände auf dem Bürgersteig waren mussten wir von der Straße aus in den Gang und wieder einmal mehr machte es uns der Kantstein unmöglich.

Enttäuscht wollten wir wieder nach Hause. Doch dann hatten die dortigen Standbetreiber eine tolle Idee. Es wurde kurzerhand eine Tischplatte zweckentfremdet und uns als Rampe an den Kantstein gelegt. Wir haben ein wunderschönes Konzert erleben dürfen. Nach dem Konzert dann das gleiche Prozedere. Tischplatte zweckentfremdet als Rampe angelegt, und wir konnten somit den Gang wieder verlassen. Vielen Dank ihr lieben Leute. Das war toll.

Jetzt möchte ich nur noch kurz zu dem Konzert etwas schreiben. Nein, zu den Leuten, die dieses wunderbare Konzert besucht haben. Ignoranz steht bei einigen Leuten immer wieder an erster Stelle. Ohne Rücksicht auf Rollstuhlfahrer stellen sie sich vor einem hin, teilweise mit Rucksack auf dem Rücken. Was für mich bedeutet, eine falsche Bewegung und ich bekomme den Rucksack ins Gesicht. Und so habe ich den ersten Teil des Konzerts nur akustisch mit diesem tollen Anblick wahrnehmen können.

2016_05_21_hansekultur_festival

Während der Pause haben wir dann mit Hilfe von ganz lieben Menschen den Weg in die erste Reihe geschafft und konnten wenigsten den zweiten Teil des Konzertes auch optisch genießen.

Mein Brief an die Zeitung endete mit folgendem Satz:

Lieber Zeitungsredakteur, ich hätte Ihnen gerne meinen zweiten Rolli geliehen, hätte Sie an die Hand genommen und Ihnen das Festival aus Sicht eines Rollifahrers gezeigt. Dann wäre vielleicht auch der ein oder andere Punkt in Ihrem Artikel aufgegriffen worden.

Mit lieben Gruss von einer nicht als vollwertige Festivalbesucherin ernstgenommen Rollifahrerin.