Tag-Archiv | Rollstuhl

„I don´t like monday“

Der letzte Montag fing schon so komisch an. Aus dem Bett raus in meinen Rollstuhl hatte ich so viel Schwung mitgenommen, dass nicht viel fehlte, und ich hätte mich daneben gesetzt. Der Schreck saß und ich war urplötzlich hellwach. Nun brauchte ich erst einmal einen Café Latte. Und was soll ich sagen? Richtig! Ich war zu blöd meine Maschine zu bedienen. Vergaß ich doch glatt den Deckel zu schließen und startete die Maschine. Na toll.

Bis zum Frühstück hatte ich alles weitere ohne Zwischenfälle gut überstanden. Aber wie der Teufel es will, es ging weiter. Ich wollte auch mal diesem Phänomen nachgehen, warum das Marmeladenbrot immer mit der Marmelade nach unten auf dem Fußboden landet. Ist mir super gelungen. Oh, wie ich mich freute. Ein Fußboden schön mit Marmelade beschmiert. Ich liebe die Erdanziehungskraft.

Gegen 10:00 Uhr fuhr ich einkaufen. Das war keine gute Idee. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Dieser Montag war einfach nicht mein Tag. Am Ausgang des Supermarktes nahm ich die Kurve zu eng. Es schepperte ganz schön laut und alle Leute eilten zu mir, um mir zu helfen. Oh, wie peinlich. Ich habe es doch tatsächlich geschafft, mir meine linke Beleuchtung am Rolli abzufahren. Ich hatte nur noch einen Gedanken, bloß schnell nach Hause und warten bis der Tag zu Ende ist. Mein Fazit für diesen Tag – „I don´t like monday“

„Pimp my Rolli“

Da mein Rolli nichts hatte, um mal eine Tasche anzuhängen, nähte ich mir vor ein paar Jahren sämtliche Einkaufstaschen um. Im Supermarkt kaufte ich mir mehrere Leinentaschen und begann die Taschen nach meinen Bedürfnissen anzupassen. Ich trennte oben am Taschenrand den Saum auf, und entfernte die Tragegriffe. Diese nähte ich dann weiter außen an den Taschenrand und jeweils auf der gegenüberliegende Seite an. Somit habe ich nun links und rechts von der Tasche die Griffe. Ich trennte diese durch und nähte jeweils für einen Griff einen Klickverschluss an. Meine Einkaufstaschen können super am Rahmen angehängt und wieder abgenommen werden. Übrigens ist das auch ganz praktisch für Kinderwagen.

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Dann fand ich vor einiger Zeit Holger´s Blog „Rollstuhl-Basteln“. Da ich fast den gleichen Rolli habe und vieles sehr praktisch ist, hieß mein nächstes Ziel „Pimp my Rolli“.

Als erstes fuhr ich in den Baumarkt und kaufte mir Haken. Wie in Holger´s Blog beschrieben, gibt es im Rahmen des Rollis auf jeder Seite zwei Befestigungsbohrungen. Da ich mir andere Haken gekauft habe, durfte mein Sohn Löcher in die Haken bohren, damit der Lochabstand zu den vorhandenen Bohrungen stimmte. Pfiffig, wie das Kerlchen ist (das hat er garantiert von seiner Mutter), sprühte er die Haken gleich schwarz. Ok, die Farbe hätte etwas länger trocknen können, aber das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Ich kann wunderbar Taschen, die ich nicht vorher geändert habe, anhängen.

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Mein nächstes Problem, wohin mit einer angebrochene Flasche? Wieder für kurze Zeit nach hinten in eine Tasche ist unpraktisch. In der Hand behalten, solange bis sie leer ist, ist nervig. Kurzerhand kaufte ich mir eine Trinkflasche, die man an Fahrrädern befestigt. Zurrte die Halterung mit Kabelbinder fest und siehe da, meine Getränke für Unterwegs haben nun auch ihren Platz.

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Da ich es Leid bin, immer nach hinten greifen zu müssen, wenn ich irgendetwas brauche. wollte ich auch den Platz zwischen Sitz und Batterie gut nutzen. Ich kaufte mir eine Schultertasche, schnitt den Riemen der Tasche durch und befestigte einen Klickverschluss. Somit konnte ich die Tasche am Rahmen vom Rolli unter dem Sitzblech festzurren, damit sie während der Fahrt nicht raus rutschen kann.

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Somit ist meine Klo-Notfalltasche, kleiner Regenschirm, meine Leinentaschen mit Klickverschluss und alles was man noch so braucht, gut verstaut.

 

 

Nie wieder ohne

Auf dem Hanse-Kulturfestival war ich „not amused“ über die Toiletten, die wir als Rollifahrer weiter weg vom Festival nutzen konnten. Ich möchte nun nicht näher drauf eingehen, wie die Toiletten aussahen,  sauber war jedenfalls was anderes. Als Zweibeiner hätte ich solch eine Toilette nicht benutzt, aber als Rollifahrer habe ich leider keine große Auswahl an Toiletten. Für mich war klar, „nur“ meine Desinfektionstücher reichen nicht mehr aus. Ich brauche für die Zukunft eine Klo-Notfalltasche.

Gesagt – getan. Ich kaufte mir eine Kosmetiktasche und füllte sie mit einer Rolle Klopapier, Desinfektionsspray und mehrere Einmalhandschuhe. Auch Pflaster, eine kleine Dose Deo fürs eigene Wohlbefinden und was man sonst noch so gebrauchen kann, hat da drin Platz gefunden.

Und so sieht sie aus.

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Ich werde jedenfalls nie wieder ohne meine Klo-Notfalltasche unterwegs sein.

Findet den Fehler …

Hallo Welt!

Es gibt für Lübeck einen Flyer „Nette Toilette“. Dort findet man in der Innenstadt öffentliche Toiletten und Toiletten, die Lübecker Gastronomen öffentlich zur Verfügung stellen. Schön beschriftet in „Nette Toilette“, „Öffentliche Bedürfnisanstalt“, „Damen-/ Herrentoilette“, „Wickelmöglichkeit“ und „Behindertengerecht“.

So weit, so gut. Ich wollte jedenfalls mal schnell für „kleine Rollifahrerin“ und suchte mir aus dem Flyer eine nette Toilette in einem Parkhaus aus. Im Eingang des Parkhauses oben an der Decke hängt ein Schild mit WC und einem Pfeil nach rechts. Dem Hinweis folgend stand ich dann vor dieser Tür. Tja, was soll ich sagen …. findet den Fehler

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Na, Fehler gefunden? Richtig, hinter der Tür das Behinderten-WC und vor der Tür befindet sich ein Kantstein, links und recht sind die Auf- und Abfahrten zu den Parkdecks.

Wenn das Wetter es zulässt, werde ich mal alle behindertengerechten Toiletten abfahren und mir ganz genau die Begebenheiten anschauen. Mal sehen, wie viele Klo´s wirklich zu benutzen sind.

 

Hansekultur-Festival

In den LN wurde in einem Schnelltest über das Hansekultur-Festival berichtet und es machte mich neugierig. Ich fuhr mit einem befreundeten Rollifahrer zum Festival (beide mit einem elektrischen Rollstuhl (kein Scooter!).

Ich hätte es besser wissen müssen.

Unter der Überschrift „Entspannen und Schlendern“
Zitat der Zeitung: „Lübeck lädt ein, die Seele baumeln zu lassen. „Gemütlich“, „entspannt“, „freundlich“, „bezaubernd“: Es sind durchweg freundliche Worte, mit denen die Festival-Besucher ihre Eindrücke kommentieren.“

Leider hat der Reporter mich nicht gefragt, ich hätte garantiert eine andere Antwort gegeben.

Weiter im Bericht:

Zitat: „Vor allem im oberen Bereich der Beckergrube hätte man sich mehr Getümmel gewünscht.“

Falsch – für uns Rollifahrer war es angenehm dort zu fahren. Im Getümmel hätte uns wieder so mancher Rucksack im Gesicht getroffen.

Weiter stand im Artikel unter der Überschrift „Kinder & Spaß“

Zitat: „Die Kinder werden ernst genommen als vollwertige Festival-Besucher.“

Glückwunsch Kinder! Wie habt ihr das hinbekommen? Wir Rollifahrer werden nicht als vollwertiger Festivalbesucher ernst genommen. Ganz im Gegenteil. Uns gibt es irgendwie gar nicht.

Fangen wir mal mit dem wichtigsten und auch schlimmsten Mängel an. Toiletten für Rollifahrer.

Für das Festival werden sogar noch zusätzliche Toilettenwagen aufgestellt.  Und wo soll ich mit meinem Rolli aufs Klo? Warum sind für uns Rollifahrer keine Toiletten aufgestellt worden?

Lieber Veranstalter! Einmal bei Google in der Suchmaschine „behindertengerechte WC Kabine“ eingeben. Ja, es gibt sie, die Dixiklos für Rollifahrer. Oder sogar noch besser es gibt auch Toilettenwagen für Rollifahrer. Da die Toilettenwagen bewacht wurden, wäre es wohl kein Problem gewesen, so ein behindertengerechtes Dixiklo daneben zu stellen, oder?

Nö, wir behinderte Menschen brauchen ja keine Klos.

Da fällt mir noch ein, dass man das einzige behindertengerechte WC, welches am Markt war, entfernt hat, ohne für einen Ersatz zu sorgen.  Aber ich schweife vom Thema ab …..
Weiter geht´s zum Zeitungsartikel

Überschrift „Essen & Trinken“
Super für Rollifahrer! Teilweise überhaupt kein rankommen an die Stände, da ein Podest vor dem Stand den Zugang unmöglich macht bzw. Stände auf dem Bürgersteig standen und der Kantstein dann das Problem war.

Dann z.B. (von dem Kopfsteinpflaster mal ganz abgesehen) ein für Rollifahrer gigantisch hoher Tresen, der es unmöglich macht, sich dort ein Getränk zu holen. Von der Enge der Zuwegung (Tische und Bänke sehr eng aufgestellt) mal ganz abgesehen. Unser erster und einzige Gedanke war – nur schnell wieder weg.

Am Samstag wollten wir zu einem öffentlichen Konzert von Kammerpop im Hellgrünen Gang.

Zugang von der Untertrave – Fehlanzeige, eine Stufe runter.
Zugang von der Engelswisch – Fehlanzeige, viel zu eng und Stufen
Zugang von der Alsheide – Fehlanzeige da Stände auf dem Bürgersteig waren mussten wir von der Straße aus in den Gang und wieder einmal mehr machte es uns der Kantstein unmöglich.

Enttäuscht wollten wir wieder nach Hause. Doch dann hatten die dortigen Standbetreiber eine tolle Idee. Es wurde kurzerhand eine Tischplatte zweckentfremdet und uns als Rampe an den Kantstein gelegt. Wir haben ein wunderschönes Konzert erleben dürfen. Nach dem Konzert dann das gleiche Prozedere. Tischplatte zweckentfremdet als Rampe angelegt, und wir konnten somit den Gang wieder verlassen. Vielen Dank ihr lieben Leute. Das war toll.

Jetzt möchte ich nur noch kurz zu dem Konzert etwas schreiben. Nein, zu den Leuten, die dieses wunderbare Konzert besucht haben. Ignoranz steht bei einigen Leuten immer wieder an erster Stelle. Ohne Rücksicht auf Rollstuhlfahrer stellen sie sich vor einem hin, teilweise mit Rucksack auf dem Rücken. Was für mich bedeutet, eine falsche Bewegung und ich bekomme den Rucksack ins Gesicht. Und so habe ich den ersten Teil des Konzerts nur akustisch mit diesem tollen Anblick wahrnehmen können.

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Während der Pause haben wir dann mit Hilfe von ganz lieben Menschen den Weg in die erste Reihe geschafft und konnten wenigsten den zweiten Teil des Konzertes auch optisch genießen.

Mein Brief an die Zeitung endete mit folgendem Satz:

Lieber Zeitungsredakteur, ich hätte Ihnen gerne meinen zweiten Rolli geliehen, hätte Sie an die Hand genommen und Ihnen das Festival aus Sicht eines Rollifahrers gezeigt. Dann wäre vielleicht auch der ein oder andere Punkt in Ihrem Artikel aufgegriffen worden.

Mit lieben Gruss von einer nicht als vollwertige Festivalbesucherin ernstgenommen Rollifahrerin.

 

Hilfe anbieten oder nicht?

Gestern tippte mir eine Frau ganz zaghaft von hinten auf die Schulter und fragte, ob sie mich was fragen dürfte. Als ich ihr dann sagte, dass sie damit ihr Frage ja schon gestellt hätte, mussten wir beide erst einmal lachen.

Sie fragte mich dann, wie sie sich Rollifahrern gegenüber verhalten soll, Hilfe anbieten oder nicht. Ich konnte ihr keine richtige Antwort darauf geben. Jeder geht mit seiner Behinderung anders um und sagte ihr, dass ich mich darüber freue, wenn mir jemand hilft. Auch wenn ich vieles alleine kann. Bestes Beispiel Tür aufhalten. Klar freue ich mich, wenn mir jemand die Tür aufhält. Ich habe mich vor meiner Rollizeit auch drüber gefreut, wenn mir jemand die Tür aufgehalten hat. Warum also nicht auch jetzt? Ich bin in der Lage kurz aufzustehen, um mir aus oberen Regalen etwa zu nehmen. Trotzdem freue ich mich, wenn mir jemand helfen möchte.

So sieht jeder für sich die Situation anders. Einer möchte Hilfe, ein anderer wiederum nicht. Mein Fazit. Lieber einmal mehr Hilfe anbieten, als gar keine Hilfe anbieten.

Ich

Wer bin ich überhaupt? Ich heiße Heike und bin 1961 geboren. Seit 2007 sitze ich nach einer Oberschenkelamputation im Rollstuhl. Ich möchte hier nun nicht weiter auf das warum und wieso oder andere Krankheiten eingehen. Ich möchte über die ein oder andere Hürde, die das Leben im Rollstuhl mit sich bringt, berichten. Einige denken jetzt bestimmt, nun fängt sie auch noch an zu jammern. Nö, das tue ich nicht. Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch. Ich lache für mein Leben gern und ich liebe das Leben. Ok, ich meckere gerne mal. Aber mal Hand aufs Herz, wer tut das nicht gerne? Aber auch über schöne Dinge möchte ich hier berichten.

Eine kleine Info noch am Rande. In der Wohnung benutze ich einen Faltrollstuhl und draußen fahre ich einen elektrischen Rollstuhl. Einen B500S von Otto Bock. Lenkräder sind hinten. Ich schaffe ca. 27 km damit.