Tag-Archiv | Behinderung

„Pimp my Rolli“

Da mein Rolli nichts hatte, um mal eine Tasche anzuhängen, nähte ich mir vor ein paar Jahren sämtliche Einkaufstaschen um. Im Supermarkt kaufte ich mir mehrere Leinentaschen und begann die Taschen nach meinen Bedürfnissen anzupassen. Ich trennte oben am Taschenrand den Saum auf, und entfernte die Tragegriffe. Diese nähte ich dann weiter außen an den Taschenrand und jeweils auf der gegenüberliegende Seite an. Somit habe ich nun links und rechts von der Tasche die Griffe. Ich trennte diese durch und nähte jeweils für einen Griff einen Klickverschluss an. Meine Einkaufstaschen können super am Rahmen angehängt und wieder abgenommen werden. Übrigens ist das auch ganz praktisch für Kinderwagen.

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Dann fand ich vor einiger Zeit Holger´s Blog „Rollstuhl-Basteln“. Da ich fast den gleichen Rolli habe und vieles sehr praktisch ist, hieß mein nächstes Ziel „Pimp my Rolli“.

Als erstes fuhr ich in den Baumarkt und kaufte mir Haken. Wie in Holger´s Blog beschrieben, gibt es im Rahmen des Rollis auf jeder Seite zwei Befestigungsbohrungen. Da ich mir andere Haken gekauft habe, durfte mein Sohn Löcher in die Haken bohren, damit der Lochabstand zu den vorhandenen Bohrungen stimmte. Pfiffig, wie das Kerlchen ist (das hat er garantiert von seiner Mutter), sprühte er die Haken gleich schwarz. Ok, die Farbe hätte etwas länger trocknen können, aber das Ergebnis kann sich trotzdem sehen lassen. Ich kann wunderbar Taschen, die ich nicht vorher geändert habe, anhängen.

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Mein nächstes Problem, wohin mit einer angebrochene Flasche? Wieder für kurze Zeit nach hinten in eine Tasche ist unpraktisch. In der Hand behalten, solange bis sie leer ist, ist nervig. Kurzerhand kaufte ich mir eine Trinkflasche, die man an Fahrrädern befestigt. Zurrte die Halterung mit Kabelbinder fest und siehe da, meine Getränke für Unterwegs haben nun auch ihren Platz.

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Da ich es Leid bin, immer nach hinten greifen zu müssen, wenn ich irgendetwas brauche. wollte ich auch den Platz zwischen Sitz und Batterie gut nutzen. Ich kaufte mir eine Schultertasche, schnitt den Riemen der Tasche durch und befestigte einen Klickverschluss. Somit konnte ich die Tasche am Rahmen vom Rolli unter dem Sitzblech festzurren, damit sie während der Fahrt nicht raus rutschen kann.

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Somit ist meine Klo-Notfalltasche, kleiner Regenschirm, meine Leinentaschen mit Klickverschluss und alles was man noch so braucht, gut verstaut.

 

 

Nie wieder ohne

Auf dem Hanse-Kulturfestival war ich „not amused“ über die Toiletten, die wir als Rollifahrer weiter weg vom Festival nutzen konnten. Ich möchte nun nicht näher drauf eingehen, wie die Toiletten aussahen,  sauber war jedenfalls was anderes. Als Zweibeiner hätte ich solch eine Toilette nicht benutzt, aber als Rollifahrer habe ich leider keine große Auswahl an Toiletten. Für mich war klar, „nur“ meine Desinfektionstücher reichen nicht mehr aus. Ich brauche für die Zukunft eine Klo-Notfalltasche.

Gesagt – getan. Ich kaufte mir eine Kosmetiktasche und füllte sie mit einer Rolle Klopapier, Desinfektionsspray und mehrere Einmalhandschuhe. Auch Pflaster, eine kleine Dose Deo fürs eigene Wohlbefinden und was man sonst noch so gebrauchen kann, hat da drin Platz gefunden.

Und so sieht sie aus.

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Ich werde jedenfalls nie wieder ohne meine Klo-Notfalltasche unterwegs sein.

Hilfe anbieten oder nicht?

Gestern tippte mir eine Frau ganz zaghaft von hinten auf die Schulter und fragte, ob sie mich was fragen dürfte. Als ich ihr dann sagte, dass sie damit ihr Frage ja schon gestellt hätte, mussten wir beide erst einmal lachen.

Sie fragte mich dann, wie sie sich Rollifahrern gegenüber verhalten soll, Hilfe anbieten oder nicht. Ich konnte ihr keine richtige Antwort darauf geben. Jeder geht mit seiner Behinderung anders um und sagte ihr, dass ich mich darüber freue, wenn mir jemand hilft. Auch wenn ich vieles alleine kann. Bestes Beispiel Tür aufhalten. Klar freue ich mich, wenn mir jemand die Tür aufhält. Ich habe mich vor meiner Rollizeit auch drüber gefreut, wenn mir jemand die Tür aufgehalten hat. Warum also nicht auch jetzt? Ich bin in der Lage kurz aufzustehen, um mir aus oberen Regalen etwa zu nehmen. Trotzdem freue ich mich, wenn mir jemand helfen möchte.

So sieht jeder für sich die Situation anders. Einer möchte Hilfe, ein anderer wiederum nicht. Mein Fazit. Lieber einmal mehr Hilfe anbieten, als gar keine Hilfe anbieten.

Ich

Wer bin ich überhaupt? Ich heiße Heike und bin 1961 geboren. Seit 2007 sitze ich nach einer Oberschenkelamputation im Rollstuhl. Ich möchte hier nun nicht weiter auf das warum und wieso oder andere Krankheiten eingehen. Ich möchte über die ein oder andere Hürde, die das Leben im Rollstuhl mit sich bringt, berichten. Einige denken jetzt bestimmt, nun fängt sie auch noch an zu jammern. Nö, das tue ich nicht. Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch. Ich lache für mein Leben gern und ich liebe das Leben. Ok, ich meckere gerne mal. Aber mal Hand aufs Herz, wer tut das nicht gerne? Aber auch über schöne Dinge möchte ich hier berichten.

Eine kleine Info noch am Rande. In der Wohnung benutze ich einen Faltrollstuhl und draußen fahre ich einen elektrischen Rollstuhl. Einen B500S von Otto Bock. Lenkräder sind hinten. Ich schaffe ca. 27 km damit.