Archiv | Mai 2016

Findet den Fehler …

Hallo Welt!

Es gibt für Lübeck einen Flyer „Nette Toilette“. Dort findet man in der Innenstadt öffentliche Toiletten und Toiletten, die Lübecker Gastronomen öffentlich zur Verfügung stellen. Schön beschriftet in „Nette Toilette“, „Öffentliche Bedürfnisanstalt“, „Damen-/ Herrentoilette“, „Wickelmöglichkeit“ und „Behindertengerecht“.

So weit, so gut. Ich wollte jedenfalls mal schnell für „kleine Rollifahrerin“ und suchte mir aus dem Flyer eine nette Toilette in einem Parkhaus aus. Im Eingang des Parkhauses oben an der Decke hängt ein Schild mit WC und einem Pfeil nach rechts. Dem Hinweis folgend stand ich dann vor dieser Tür. Tja, was soll ich sagen …. findet den Fehler

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Na, Fehler gefunden? Richtig, hinter der Tür das Behinderten-WC und vor der Tür befindet sich ein Kantstein, links und recht sind die Auf- und Abfahrten zu den Parkdecks.

Wenn das Wetter es zulässt, werde ich mal alle behindertengerechten Toiletten abfahren und mir ganz genau die Begebenheiten anschauen. Mal sehen, wie viele Klo´s wirklich zu benutzen sind.

 

Hansekultur-Festival

In den LN wurde in einem Schnelltest über das Hansekultur-Festival berichtet und es machte mich neugierig. Ich fuhr mit einem befreundeten Rollifahrer zum Festival (beide mit einem elektrischen Rollstuhl (kein Scooter!).

Ich hätte es besser wissen müssen.

Unter der Überschrift „Entspannen und Schlendern“
Zitat der Zeitung: „Lübeck lädt ein, die Seele baumeln zu lassen. „Gemütlich“, „entspannt“, „freundlich“, „bezaubernd“: Es sind durchweg freundliche Worte, mit denen die Festival-Besucher ihre Eindrücke kommentieren.“

Leider hat der Reporter mich nicht gefragt, ich hätte garantiert eine andere Antwort gegeben.

Weiter im Bericht:

Zitat: „Vor allem im oberen Bereich der Beckergrube hätte man sich mehr Getümmel gewünscht.“

Falsch – für uns Rollifahrer war es angenehm dort zu fahren. Im Getümmel hätte uns wieder so mancher Rucksack im Gesicht getroffen.

Weiter stand im Artikel unter der Überschrift „Kinder & Spaß“

Zitat: „Die Kinder werden ernst genommen als vollwertige Festival-Besucher.“

Glückwunsch Kinder! Wie habt ihr das hinbekommen? Wir Rollifahrer werden nicht als vollwertiger Festivalbesucher ernst genommen. Ganz im Gegenteil. Uns gibt es irgendwie gar nicht.

Fangen wir mal mit dem wichtigsten und auch schlimmsten Mängel an. Toiletten für Rollifahrer.

Für das Festival werden sogar noch zusätzliche Toilettenwagen aufgestellt.  Und wo soll ich mit meinem Rolli aufs Klo? Warum sind für uns Rollifahrer keine Toiletten aufgestellt worden?

Lieber Veranstalter! Einmal bei Google in der Suchmaschine „behindertengerechte WC Kabine“ eingeben. Ja, es gibt sie, die Dixiklos für Rollifahrer. Oder sogar noch besser es gibt auch Toilettenwagen für Rollifahrer. Da die Toilettenwagen bewacht wurden, wäre es wohl kein Problem gewesen, so ein behindertengerechtes Dixiklo daneben zu stellen, oder?

Nö, wir behinderte Menschen brauchen ja keine Klos.

Da fällt mir noch ein, dass man das einzige behindertengerechte WC, welches am Markt war, entfernt hat, ohne für einen Ersatz zu sorgen.  Aber ich schweife vom Thema ab …..
Weiter geht´s zum Zeitungsartikel

Überschrift „Essen & Trinken“
Super für Rollifahrer! Teilweise überhaupt kein rankommen an die Stände, da ein Podest vor dem Stand den Zugang unmöglich macht bzw. Stände auf dem Bürgersteig standen und der Kantstein dann das Problem war.

Dann z.B. (von dem Kopfsteinpflaster mal ganz abgesehen) ein für Rollifahrer gigantisch hoher Tresen, der es unmöglich macht, sich dort ein Getränk zu holen. Von der Enge der Zuwegung (Tische und Bänke sehr eng aufgestellt) mal ganz abgesehen. Unser erster und einzige Gedanke war – nur schnell wieder weg.

Am Samstag wollten wir zu einem öffentlichen Konzert von Kammerpop im Hellgrünen Gang.

Zugang von der Untertrave – Fehlanzeige, eine Stufe runter.
Zugang von der Engelswisch – Fehlanzeige, viel zu eng und Stufen
Zugang von der Alsheide – Fehlanzeige da Stände auf dem Bürgersteig waren mussten wir von der Straße aus in den Gang und wieder einmal mehr machte es uns der Kantstein unmöglich.

Enttäuscht wollten wir wieder nach Hause. Doch dann hatten die dortigen Standbetreiber eine tolle Idee. Es wurde kurzerhand eine Tischplatte zweckentfremdet und uns als Rampe an den Kantstein gelegt. Wir haben ein wunderschönes Konzert erleben dürfen. Nach dem Konzert dann das gleiche Prozedere. Tischplatte zweckentfremdet als Rampe angelegt, und wir konnten somit den Gang wieder verlassen. Vielen Dank ihr lieben Leute. Das war toll.

Jetzt möchte ich nur noch kurz zu dem Konzert etwas schreiben. Nein, zu den Leuten, die dieses wunderbare Konzert besucht haben. Ignoranz steht bei einigen Leuten immer wieder an erster Stelle. Ohne Rücksicht auf Rollstuhlfahrer stellen sie sich vor einem hin, teilweise mit Rucksack auf dem Rücken. Was für mich bedeutet, eine falsche Bewegung und ich bekomme den Rucksack ins Gesicht. Und so habe ich den ersten Teil des Konzerts nur akustisch mit diesem tollen Anblick wahrnehmen können.

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Während der Pause haben wir dann mit Hilfe von ganz lieben Menschen den Weg in die erste Reihe geschafft und konnten wenigsten den zweiten Teil des Konzertes auch optisch genießen.

Mein Brief an die Zeitung endete mit folgendem Satz:

Lieber Zeitungsredakteur, ich hätte Ihnen gerne meinen zweiten Rolli geliehen, hätte Sie an die Hand genommen und Ihnen das Festival aus Sicht eines Rollifahrers gezeigt. Dann wäre vielleicht auch der ein oder andere Punkt in Ihrem Artikel aufgegriffen worden.

Mit lieben Gruss von einer nicht als vollwertige Festivalbesucherin ernstgenommen Rollifahrerin.

 

Natur pur …

Ach was habe ich doch für liebe Nachbarn. Sie haben sich Blumen für ihre Balkonkästen gekauft, und mir meine Blümchen auch gleich mitgebracht. Es ist gar nicht so einfach, mit dem Rolli 20 Pflanzen heil nach Hause zu transportieren (3 x 6er Pack a 1,5 l Flaschen ist kein Problem), aber Blumen? Nee, da brauch ich doch Hilfe. Aber was noch viel besser ist, sie haben sogar meine Kästen gleich bepflanzt, was für mich bedeutet – auf dem Balkon kein Dreck. Was ja immer ärgerlich ist, denn man fährt sich mit den Rädern allen Schiet in die Wohnung.

Was mir meine Nachbarn aber leider erst später sagten, sie haben Rinderdung mit in die Kästen gegeben. Hach, was ein laues Lüftchen mir doch einen zarten Duft an meiner Nase vorbei ziehen lässt. Und das in einer Stadt. Das ist Natur pur. Ich weiß das ganz genau, denn ich bin ein Landei.

Aber nichtsdestotrotz mein Balkon sieht wunderschön aus. Übrigens sind rosa Geranien in den Balkonkästen. Nun dürfen sie wachsen und viele schöne Blüten bekommen.

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Hilfe anbieten oder nicht?

Gestern tippte mir eine Frau ganz zaghaft von hinten auf die Schulter und fragte, ob sie mich was fragen dürfte. Als ich ihr dann sagte, dass sie damit ihr Frage ja schon gestellt hätte, mussten wir beide erst einmal lachen.

Sie fragte mich dann, wie sie sich Rollifahrern gegenüber verhalten soll, Hilfe anbieten oder nicht. Ich konnte ihr keine richtige Antwort darauf geben. Jeder geht mit seiner Behinderung anders um und sagte ihr, dass ich mich darüber freue, wenn mir jemand hilft. Auch wenn ich vieles alleine kann. Bestes Beispiel Tür aufhalten. Klar freue ich mich, wenn mir jemand die Tür aufhält. Ich habe mich vor meiner Rollizeit auch drüber gefreut, wenn mir jemand die Tür aufgehalten hat. Warum also nicht auch jetzt? Ich bin in der Lage kurz aufzustehen, um mir aus oberen Regalen etwa zu nehmen. Trotzdem freue ich mich, wenn mir jemand helfen möchte.

So sieht jeder für sich die Situation anders. Einer möchte Hilfe, ein anderer wiederum nicht. Mein Fazit. Lieber einmal mehr Hilfe anbieten, als gar keine Hilfe anbieten.

Ich

Wer bin ich überhaupt? Ich heiße Heike und bin 1961 geboren. Seit 2007 sitze ich nach einer Oberschenkelamputation im Rollstuhl. Ich möchte hier nun nicht weiter auf das warum und wieso oder andere Krankheiten eingehen. Ich möchte über die ein oder andere Hürde, die das Leben im Rollstuhl mit sich bringt, berichten. Einige denken jetzt bestimmt, nun fängt sie auch noch an zu jammern. Nö, das tue ich nicht. Ich bin ein sehr positiv denkender Mensch. Ich lache für mein Leben gern und ich liebe das Leben. Ok, ich meckere gerne mal. Aber mal Hand aufs Herz, wer tut das nicht gerne? Aber auch über schöne Dinge möchte ich hier berichten.

Eine kleine Info noch am Rande. In der Wohnung benutze ich einen Faltrollstuhl und draußen fahre ich einen elektrischen Rollstuhl. Einen B500S von Otto Bock. Lenkräder sind hinten. Ich schaffe ca. 27 km damit.

Hallo Welt!

Ich überlege gerade, ob die Welt einen Blog von mir braucht? Na klar!

Ich  möchte hier mein Erlebtes oder auch einfach nur meine Gedanken veröffentlichen. Und wenn ich nur einer Person etwas Mut, einen Tipp, etwas Abwechslung oder auch nur ein kleines Schmunzeln geben kann, dann hat es sich gelohnt hier zu schreiben.